Gewalt in der häuslichen Pflege

Unter Gewalt in der häuslichen Pflege ist eine Handlung, eine Nicht-Handlung oder eine Drohung zu verstehen, die grundlegende menschliche Bedürfnisse (Wohlbefinden, Überleben, persönliche Identität und Freiheit) beeinträchtigt, einschränkt oder deren Befriedigung verhindert.

(Definition nach Dr. Dr. Rolf Hirsch, Bonn)

Häusliche Gewalt tritt auf zwischen Personen, die durch intime, verwandtschaftliche oder gesetzliche Beziehungen miteinander verbunden sind. Sie findet als Beziehungsgewalt statt im sozialen Nahraum und umfasst verschiedene Formen körperlicher, sexualisierter und seelischer Gewalt.

Gewaltformen in der häuslichen Pflege sind z.B.:

Körperliche Misshandlungen:

Schläge, Stoßen, Schleudern, Verbrennen...

Vernachlässigung:

unzureichende Pflege und Kleidung, Ernährung und gesundheitliche Fürsorge, Beaufsichtigung und mangelnder Schutz vor Gefahren.

Seelische Misshandlung:

ausgeprägte Ablehnung, Verängstigung, Terrorisierung und Isolierung, tägliches Beschimpfen, Verspotten und Erniedrigen, Einsperren und Anbinden.

Tätliche sexualisierte Gewalt:

aufgedrängte Berührungen, Erzwingen von sexuellen Handlungen, Vergewaltigung

Gerade in der häuslichen Pflege kann es zu Belastungen bis hin zu Überlastungssituationen kommen. Unkenntnis über Krankheitsverläufe oder Wirkungen von Medikamenten können der Grund für eskalierende Situationen bei der häuslichen Pflege sein. Viele Pflegehandlungen stellen zudem ungewollt eine Grenzverletzung der zu pflegenden Person dar. War die Beziehung zwischen der pflegebedürftigen und der pflegenden Person bereits belastet, ist dies vielleicht ausschlaggebend für eine Grenzsituation, die im Extremfall in Gewalthandlungen, wie zum Beispiel Drohen, Beschimpfen, Einsperren und Schlagen führt.